Über Jahrzehnte lautete die Herausforderung vieler Organisationen: Wie schaffen wir mehr Möglichkeiten?

KI könnte diese Frage beantworten.

Doch welche Frage entsteht danach?

Die Diskussion über Künstliche Intelligenz folgt häufig einer einfachen Logik:

Mehr Wissen führt zu besseren Entscheidungen.

Mehr Analysen führen zu besseren Entscheidungen.

Mehr Möglichkeiten führen zu besseren Entscheidungen.

Diese Annahme erscheint plausibel.

Sie könnte jedoch unvollständig sein.

Denn wenn KI Möglichkeiten sichtbar macht, entsteht eine andere Frage:

Was passiert, wenn mehr Möglichkeiten entstehen, als eine Organisation gemeinsam verarbeiten kann?

Jede neue Möglichkeit erzeugt eine zusätzliche Alternative.

Und jede zusätzliche Alternative erhöht die Kontingenz.

Kontingenz bedeutet dabei nicht Unsicherheit.

Kontingenz bedeutet, dass etwas auch anders sein könnte.

Mehr Möglichkeiten bedeuten deshalb nicht nur mehr Freiheit.

Sie bedeuten auch mehr Auswahl.

Mehr Vergleich.

Mehr Ausschluss.

Jede zusätzliche Möglichkeit muss bewertet werden.

Und jede zusätzliche Möglichkeit erhöht den Bedarf an Selektion.

Die eigentliche Zumutung könnte deshalb nicht kleiner werden.

Sie könnte wachsen.

Vielleicht erhöht KI nicht die Qualität von Entscheidungen.

Vielleicht erhöht sie die Zumutung der Selektion.

Diese Entwicklung erinnert an eine Veränderung, die bereits das Internet ausgelöst hat.

Vor dem Internet war Information knapp.

Heute ist Information nahezu unbegrenzt verfügbar.

Die Herausforderung besteht längst nicht mehr darin, Informationen zu finden.

Die Herausforderung besteht darin, relevante Informationen auszuwählen.

Möglicherweise entsteht durch KI eine ähnliche Bewegung.

Nicht Möglichkeiten werden knapp.

Sondern die Fähigkeit, mit einer wachsenden Zahl plausibler Möglichkeiten umzugehen.

An dieser Stelle verschiebt sich die Beobachtungsebene.

Die Frage lautet dann nicht mehr:

Was können wir tun?

Sondern:

Welcher Zukunft folgen wir?

Organisationen können nicht gleichzeitig allen Möglichkeiten folgen. Sie müssen auswählen – und andere Menschen davon überzeugen, derselben Auswahl zu folgen.

Vielleicht entsteht genau hier eine neue Zumutung.

Nicht die Erzeugung von Möglichkeiten.

Sondern die Herstellung gemeinsamer Orientierung.

Je mehr plausible Möglichkeiten sichtbar werden, desto wichtiger könnte die Frage werden, wie überhaupt noch gemeinsame Zukunft entsteht.

Und vielleicht macht KI lediglich sichtbar, was Organisationen schon immer leisten mussten:

Aus vielen möglichen Zukünften eine Zukunft auszuwählen, an die andere anschließen können.